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Piccolo |
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Der elektrische Kleine
Es muss so ca. 1998 gewesen sein, als ich im WWW einen winzigen RC-Hubschrauber
namens Pixel entdeckte. Es handelte sich um ein filigranes Modell, fast
vollständig aus Kohlefasern erstellt, was kaum 100g auf die Waage
brachte.
Ich war sofort angetan von der Vorstellung vielleicht eines Tages
in der Wohnung mit einem Elektrohubschrauber herumfliegen zu können.
Natürlich handelte es sich beim Pixel um ein handgefertigtes Einzelstück,
so etwas gab es nicht käuflich zu erwerben, noch nicht.
1999 brachte dann die Firma
IKARUS Modellsport
mit dem Piccolo ein Hubschraubermodell heraus, wessen Entwurf massgeblich von dem Konstrukteur des
Pixel stammte.
Mit 250g Abflugmasse gehörte es wohl zu den kleinsten
Serienhubschraubern mit Steuerung über eine Taumelscheibe.
Der Traum vom Hovern über der Kaffetasse war in greifbare Nähe gerückt.
Ich wartete allerdings mit dem Kauf meines Piccolo noch ca. 1 Jahr, denn ich wollte
kein unausgereiftes Produkt, dessen Erprobung der Hersteller in die Hände
der Käufer gibt.
Oftmals ist es leider bei solchen Modellen so, dass aus dem Baukasten heraus erstmal
kein flugfähiges Modell mit ansehnlichen Flugeigenschaften entstehen kann,
weil die Komponenten nicht ausgewählt sind bzw. nicht miteinander harmonieren.
Besonders die Herstellerangaben bezüglich Antriebsmotor und Akku
führen oft zu enttäuschenden Ergebnissen.
Durch Studium von diversen Foren, in denen Piccolobesitzer über ihre Erfahrungen
mit dem Modell schrieben, kam ich dann zu der Überzeugung,
dass dieses Modell aus der Schachtel heraus jedoch sehr brauchbare Flugleistungen erbringt.
Der Kauf im Herbst 2000 war dann reine Formsache.
Das Modell wurde genau nach Plan aufgebaut und 8 Zellen SANYO Twicell 700 als Antriebsakku verwendet.
Die Flugzeiten bewegen sich damit um die 10 Minuten.
In den folgenden Wochen gewöhnte ich mich an die Flugeigenschaften des Modellchens und machte
Rundflüge in der Wohnung:
Start im Schlafzimmer, hier sind ca. 2 x 2 Meter freien Boden,
einige Piruetten in Augenhöhe dan Fahrt aufnehmen und zügig ins
Wohnzimmer. Fahrt stehenlassen und in einer leicht hochgezogenen 180 Wende
am Fenster vorbei Richtung Deckenlampe.
Dort 2 mal herumfliegen und dann durch den Flur in die Küche, um über
dem Herd zu patrouillieren. Wenn etwas Platz auf dem Tisch war,
dann gab`s eine Zwischenlandung zur Verpflegungsaufnahme für den Piloten.
Nach kurzer Pause dann wieder raus durch den Flur ins Schlafzimmer um nach
einigen Vollkreisen immer dicht an der Wand entlang auf dem Hochbett zu
landen. Die Akkus wurden abschliessend beim Schwebeflug über einer
gedachten Landefläche von 50 x 50 cm leergeflogen.
Beim Fliegen in kleinen Räumen merkt man sehr schnell, dass das Modell
die gesamte Luft des Raumes in Bewegung bringt, was sich sehr negativ auf
die Flugruhe auswirkt. Dann hilft Absetzen, etwas warten bis die Luft sich
beruhigt hat und erneut losfliegen.
Natürlich lässt es sich nicht vermeiden bei solchen Flugprofilen
auch mal gegen den Schrank oder den Türrahmen zu knallen.
Der Piccolo ist aber sehr hart im Nehmen: es ist nur einmal
ein Kufenbügel gebrochen, sonst nichts !
Ich flog den Piccolo auch im Freien bei leichtem Wind: das Modell war
ähnlich einem welken Blatt ein Spielball des Windes. Das Steuern beschränkte
sich auf den Versuch, das Abstürzen möglichst lange zu verhindern.
Bei Windstille allerdings konnte man richtig Spass an dem Ding bekommen.
Unter anderem auch, weil man das Modell auch ruhig mal unsanft in die Wiese bohren darf,
ohne dass etwas kaputt geht.
Als nächstes bestand der Wunsch, das Modell mit einer vorbildähnlichen
Zelle auszurüsten. Die Wahl fiel auf die Bell UH-1D, deren Auslieferungstermin
leider immer wieder verschoben wurde.
Der Bau gestaltete sich recht einfach, wenn auch die Passgenauigkeit
der Rumpfhälften sehr zu wünschen übrig liess.
Als Farbe für den Anstrich des Rumpfes aus Styropor verwendete ich der Empfehlung
meines Händlers entsprechend Revell Emaillelack, wie er auch zum Lackieren
der Plastikmodelle aus gleichem Hause benutzt wird.
Eine Verträglichkeitsprobe an einem Reststück ergab, dass Lack und Verdünnung den Rumpfwerkstoff
nicht angreifen.
Um das Modellgewicht nicht unnötig in die Höhe zu treiben
verdünnte ich den Lack und trug insgesamt 5 Anstriche auf, bis die
Farbe vollständig deckte.
Zwischendurch immer einen Tag durchtrocknen lassen, sonst löst man die vorherige
Lackschicht wieder ab.
Noch schnell Positionlichter (LED´s) und Antikollisionsblitzer (Blink-LED´s) montiert
(Schaltungsbeschreibung)
und dann kam der Tag des Erstfluges im neuen Kleid:
die Twicells rein und auf die Waage.
Bei 274 Gramm blieb der Zeiger stehen.
Kein schlechter Wert dachte ich.
Die 24g Mehrgewicht gegenüber der Trainerversion sollten kein Hinderniss darstellen,
schrieben doch andere Piloten teilweise von Abflugmassen nahe 300g.
Aber was war das: die Maschine kam selbst mit Vollgas nicht aus dem Bodeneffekt heraus.
Nach etlichem Probieren und erneutem Studium in Modellbauforen wurde klar:
die Twicells entfalten nur genügend Leistung, wenn sie sehr warm direkt vom
Ladegerät ins Modell kommen, sonst ist die Spannungslage zu niedrig.
Werden sie heiss benutzt sind etwa 8 Minuten Flugzeit möglich.
Die Flugeigenschaften des Piccolo:
das Modell ist sehr laut, was durch den als Klangkörper wirkenden Rumpf bedingt ist.
Durch die etwas höhere Masse fliegt es etwas ruhiger, aber nur Nuancen.
Die Bruchempfindlichkeit ist wegen des Styroporrumpfes allerding ganz enorm
gestiegen.
Manöver wie mit der Trainerversion verbieten sich daher ganz.
Das trübt ein wenig den Spass an diesem vorbildähnlichen Hubschrauber.
Der Motor wird wegen der geschlossenen Zelle sehr heiss.
Mit 300mAh NiCd Akkus beträgt die Flugzeit knapp 4 Minuten.
Der erste Eindruck nach Montage der Ikarus Tuning-Rotorblätter lässt leider
auch keine Flugeigenschaften erkennen, die sicheres Fliegen bei Wind ermöglichen.
Dann muss eben ein anderes Modell aus dem Hangar geholt werden.
Für die Zukunft ist geplant die Flugleistungen durch Umbau in die Pitchversion, Einbau eines bürstenlosen
Motors sowie durch verwenden von Lithium-Polymer-Akkus auch für Outdoorbenutzung anzupassen.